Hey,
Zitat
Wer ein letztes Tier übrig hat und kein neues dazu haben möchte, hat genug Möglichkeiten, dieses zu vermitteln.
Na, dann kann man nur hoffen, dass man das letzte Tier auch schnell vermittelt bekommt.
Eigentlich sollte es ja auch nie DAS letzte Tier sein, sondern ein letztes Paar bzw. Trio, dass eine neue Heimat sucht.
Aber selbst wenn die Vermittlung nicht drängt, weil ein Tier allein ist, kann es Wochen oder gar Monate dauern, bis das Kleinrudel vermittelt ist.
Die vorhandenen Plätze sind übersättigt, die Heime und Pflegestellen voll.
Eine Bekannte hat über ein Jahr versucht, ihr ausgewachsenes Bockrudel abzugeben, da sie allergiebedingt die Haltung aufgeben musste. Über ein Jahr wollte niemand die Tiere haben und jünger wurden sie ja auch nicht, dabei hätte sie sie durch ganz Deutschland gefahren. Da ich damals Weiber gehalten habe, konnte ich sie ihr auch nicht abnehmen, auch wenn sie sie mir ohne zu Murren 1000 Kilometer gebracht hätte (sie hatte noch ein zweites Kastratentrüppchen, das ich fast übernommen hätte, sie konnte es dann aber nur 750 km entfernt platzieren, weshalb wir dem Platz den Vortritt liessen), wenn sie endlich einen guten Platz und neue Gesellschaft gehabt hätten. Schlussendlich ist das Rudel bei ihr steinalt geworden und die Tiere verstarben nacheinander, sodass der letzte seine letzten Tage allein verbringen musste.
Und mal ehrlich - das "geliehene" Tier steht in aller Regel sowieso zur Vermittlung. Ob es nun ausgeliehen an einen neuen Platz geht oder potentiell lebenslang, macht kaum einen Unterschied. Wie viele der lebenslang vermittelten Tiere werden irgendwann wieder abgegeben ? Wegen Haltungsaufgabe ? Nicht wenige.
Und welchem Tier macht es weniger aus, um zu ziehen ? Einem vielleicht schon älterem oder einem etwas jüngeren ?
Und wo ist der Unterschied, ob das ältere Tier, das eigentlich potentiell lebenslang vermittelt war, umplatziert wird oder dass beim jüngeren feststeht, es wird ein zweites Mal in seinem Leben umziehen.
Integrationen gehören zum Rattenleben dazu, zusätzlicher Stress ist der Umgebungswechsel - den kann jedes Tier bei einem Umzug erwischen.
Wichtig ist meiner Meinung nach nicht der Stempel, den das Tier hat, sondern eine ganzheitliche Betrachtung und Abwägung.
Und natürlich vorausschauendes Handeln.
Wenn ich mit dem Gedanken spiele, die Rattenhaltung aufzugeben, suche ich lang vor dem Punkt, an dem ich dazu gezwungen werde (sprich, nur noch 2-3 Tiere da, die aber auch noch fit für die Inte sind), nach einem neuen Zuhause. So kommt man nicht in Zeitnot.
Wenn die Zeitnot aber dann trotz durchdachter Handlungsweise kommt, dann muss man auch im Sinne der eigenen Tiere entscheiden.
Nehme ich jetzt Tiere auf, die ich dazu integriere, damit niemand am Ende allein ist und versuch dann, diese Tiere zu vermitteln ?
Nehme ich jetzt TIere auf, die ich dazu integriere, damit niemand am Ende allein ist und weiss sicher, dass sie am Ende auch einen Platz sicher haben und ich nicht wieder vor der Situation stehe, dazu integrieren zu müssen, damit niemand allein bleibt, weil die Vermittlung nicht klappt ?
Wenn einem nichts anderes übrig bleibt, als neu zu integrieren, dann ist es für das Tier sinnvoller, es wird "verliehen" und hat dann einen guten Platz sicher, als wenn seine Zukunft unsicher bleibt.
Auf jeden Fall sollten die Leihtiere immer mind. zu zweit sein, damit eine Einzelhaltung vermieden werden kann.
Die Tiere sollten vom Leihplatz dann direkt ins endgültige Heim ziehen und nicht erneut verliehen werden. Der "Leiher" trägt jegliche Tierarzt- und Futterkosten. Die PS verleiht nur, wenn andere Möglichkeiten ausgeschöpft sind und hat so auch nur einen sehr begrenzten "Leihbestand", den die PS selbst auch wieder aufnehmen kann. Und logischerweise sollte man auch bedacht wählen, wer sich eignet und nur ein passendes selbstbewusstes Pärchen oder Trio verleihen, das sich untereinander auch gut versteht.
Im Übrigen hat eine PS einer Bekannten auch schon einmal zwei Tiere "ausgeliehen".
Die Bekannte war lang Mäusehalterin und wollte dann zwei Einzeltieren helfen, die als unintegrierbar galten. Eine hauste sogar in einem Käfig im Katzenzimmer des Tierheims.
Die Integration klappte, doch leider verstarb ein Tier bei einer Tumor-OP. Damit das verbliebene Tier nicht allein bleiben musste, vermittelte eine PS zwei "Leihratten", denn schliesslich musste die Bekannte wegen Nagerallergie die Haltung aufgeben. Die Tiere lebten noch recht lange glücklich zusammen, bis das Leihrattenpärchen nach dem Tod der ehemaligen Einzelratte zurück zur PS zog und dort ins Stammrudel integriert wurde.
Diese Tiere haben genau 2 Umzüge erlebt, weniger als so manche Notfallratte. Jede Second Hand Ratte zieht mind. 2mal im Leben um. Weniger Umzüge haben nur die Tiere, sie auf PS geboren und platziert werden. Sie wurden nicht ständig hin und her gereicht.
Und bevor man mich falsch versteht - mir wäre es auch immer lieber, wenn die letzten Tiere (! nicht das letzte Einzeltier !) eines Rudels rechtzeitig vermittelt werden können, sodass man gar nicht in die Gelegenheit kommt, Tiere "leihen" zu müssen.
Aber nicht alles läuft nach Plan. Das System sollte nicht zur gängigen Methode werden, aber man sollte es niemanden verteufeln, der es als letzte Möglichkeit ansieht. Oder gar die PS, die sich bereit erklärt, im Sinne des Tieres zu handeln.
Denn schlussendlich wäre es in meinen Augen ganzheitlich gesehen besser, Tiere auszuleihen (unter den richtigen Voraussetzungen !), als ein Tier der Einsamkeit zu verdammen oder es, weil es niemand abnimmt, gar ins Tierheim abzuschieben (Problem gelöst
). Ich finde auch, dass es eine Entlastung für die PS ist, wenn der Halter das Tier bis zum Tod zuende pflegt, finanziell und platztechnisch. Es fällt ein Platz für die Tiere weg mit der Haltungsaufgabe, aber dadurch wird nicht noch ein Platz in den PS besetzt. Die PS kann bei den Leihtieren direkt planen, dass diese zurück kommen - früher oder später. Sonstige Rückläufer kommen ungeplanter.