Huhu,
ich finde das Thema ganz spannend. Mir sind die krassen Unterschiede bei Mindestmaßen (und anderen Themen) aufgefallen weil ich recht viel im englischsprachigen Internet unterwegs bin und deshalb da auch mal auf Rattenseiten war. Ich hatte mich für Diskussionen darüber vor einiger Zeit mal in einem amerikanischen (vorrangig Canada und USA) Forum angemeldet, dass schon so das „tierschutzorientierteste“ war, dass ich so finden konnte. Trotzdem waren die Mindestmaße VIEL kleiner als hier, bzw es gab nichtmal richtig welche sondern eher „so groß wie halt geht“ aber nen meeriknast ist schon voll ok.
Ich fand die Diskussionen dort über unterschiedliche Haltungsstile aber ganz spannend und auch dass die Leute (also die Aktiven dort nicht die Neulinge) recht aufgeschlossen waren. „Größer ist besser“ wurde zugestimmt und auch dort gab es einige Halter*innen die wirklich riesiege „Rattenpaläste“ gebaut haben. Das größte was ich gefunden habe waren so 9 royalsuite-ähnliche Käfige verbunden. Größere Käfige sind dort zwar stärker die Ausname als hierzulande (es ist ja leider auch nicht so als würden sich die meisten Ratten im deutschsprachigen Raum in Käfigen befinden die den mindestmaßen dieses Forums entsprechen, selbst wenn man Labortiere nicht mitzählt) aber ich würde deswegen nicht alles schlechter finden und finde im tierschutzbereich ist die Grundidee schon die selbe.
Ich denke solche Themen sind schwierig in einem Forum zu diskutieren wo die Mindestmaße bereits recht hoch sind. Das größer immer besser ist sollte ja bei Tieren die in der Natur viel weitere Strecken laufen recht logisch sein. Hier wird sich niemand das Mindestmaß runterdiskutieren lassen... Ob andere ihre Mindestmaße hochsetzen wollen ist wohl besser und weniger kritisch dort zu diskutieren.
Ein wichtiger Punkt den man vielleicht bedenken sollte (ich hoffe ich liege da richtig(also eigentlich hoffe ich das nicht aber ihr wisst was ich meine^^) und darf das schreiben, sonst bitte löschen) ist auch die Unterschiedliche Tierheimsituation. Meines wissens ist ein Tier, dass in Deutschland im Tierschutz landet erstmal „sicher“, gesunde Tierheimtiere werden in der Regel nicht getötet, auch wenn sie nicht vermittelt werden können. In vielen anderen Ländern werden meines wissen in einigen „shelters“ nach relativ kurzer Zeit nichtvermittelte Tiere getötet. Das bedeutet ganz andere Vermittlungskonsequenzen. Wärend es hier gut und richtig ist zu sagen: Wenn die mindestmaße nicht erfüllt sind bleibt das Tier eben im Tierheim ist andernorts eher die Frage „Hamsterknast oder tot?“ und ich finde es sehr verständlich wenn dort dann eben „so groß wie möglich aber nimm lieber (viele) Ratten im kleinen Käfig als garkeine wenn du dir den großen Käfig nicht leisten kannst“ die Prämisse ist.
Strenge Kriterien sind gut aber eben nur so lange die daraus entstehenden Konsequenzen (Abschreckung von Halter*innen die sich das nicht leisten können/wollen) für die Ratten nicht noch schlimmer sind.
Eine andere Frage ist ja wo die Mindestmaße herkommen, ob die so Sinn machen etc. Da finde ich den von Mus verlinkten Thread echt gut und spannend auch wen man dazu wohl keine wirkliche Lösung finden kann.
Was ich noch im englischsprachigen Bereich gefunden habe (achtung englisch und Inch sowie nicht nur artgerechte Maße, bitte löschen falls nicht erwünscht) ist dieser Ansatz : http://www.rmca.org/Articles/cagesize.htm
Das fand ich mal nen spannenden Ansatz weil es 1. die Körpergewicht als vergleichendes Maß nutzt und 2. mit Menschen vergleicht. Nach diesem Vergleich wären unsere Mindestmaße ein bisschen größer als der bei uns übliche Wohnraum für Menschen in den USA (ich schätze das meinen die mit amerikanisch) wären die Käfigmindestmaße und der übliche Wohnraum für Menschen vieeel weiter auseinander. Damit lässt sich ganz gut argumentieren. (+ dazu, dass wir ja auch oft das Haus verlassen und dementsprechend auch Ratten Auslauf brauchen etc.)
Klar hinkt der Vergleich und es gibt biologisch sicher bessere Kriterien, aber es hilft zum argumentieren und ist noch ne bessere Grundlage als „das fühlt sich zu klein an darum nehmen wir das Maß XY“.
Idealerweise sollten sich Maße an üblichen Reviergrößen der entsprechenden Tierarten orientieren, aber dann könnten wir alle keine Haustiere mehr halten und so lange die Tierheime noch voll sind ist das leider keine Lösung. Das „keine Verhaltensauffälligkeiten“ Kriterium wie bei Hamstern finde ich auch eher gruselig auch wenn es sicher besser ist als ncihts und den Hamstern der Leute die sich daran halten hilft. Aber zwischen verhaltensauffällig wegen Platzmangel und „da fühle ich mich (einigermaßen) wohl“ liegen bei mir Welten.
Bei anderen Tierarten fängt ja zumindest im Tierschutzbereich der Wechsel von Käfigtier zum Wohnungstier an. (Z.b. Kaninchen die mittlerweile teilweise ähnliche Platzkriterien kriegen wie Katzen)
So einen Wechsel (hin zu dauerauslauf) würde ich mir für Ratten auch wünschen, dürfte aber nur umsetzbar sein wenn das für einen Großteil der Halterinnen auch umsetzbar ist...
Eventuell wäre dafür ein zweigleisiger Ansatz mit Mindest- und Comfortmaßen auch hilfreich. Letztlich wird es immer Leute geben die nur das minimum erfüllen wollen und Leute die abhängig von ihren Möglichkeiten versuchen das beste für die Ratten raus zu holen und sich verbessern.
Sorry für den Roman