Hallo Kendrax,
ich denke, das Grundproblem hier sind unterschiedliche Einstellungen zur Tierhaltung. Wenn ich deine Beiträge lese, höre ich sehr viel davon, was du willst und warum du jetzt unbedingt Ratten anschaffen willst, weil du befürchtest, später keine Zeit mehr für sie zu haben. Das Ratteneck ist aber nach deutlicher Selbstdarstellung ein tierschutzorientiertes Forum. Das heißt: hier steht im Vordergrund, was für die Tiere das Beste ist.
Das heißt aber auch: niemand wird dir hier sagen, zwei Ratten zu halten sei besser als keine. Und das hat einen sehr einfachen Grund: für die Ratten ist das nämlich einfach nicht wahr. Wilde Ratten leben in Großfamilien aus dutzenden Tieren, und sie sind darauf auch absolut angewiesen. Der Mensch ist kein Ersatz. Meiner Erfahrung nach ist die ideale Gruppengröße für Heimhaltung 4-5 Tiere bei einer Minimalgröße von 3 Tieren. Das sehen hier die meisten Nutzer meiner Erfahrung nach ähnlich. Praktisch kein Notfallvermittler würde wissentlich Ratten in Paarhaltung oder noch schlimmer Einzelhaltung abgeben, und insbesondere Jungtiere werden immer mindestens paarweise vermittelt.
Wenn ich mir deine Schilderungen so ansehe, sehe ich außerdem eine beunruhigende Geschichte von falscher Haltung geselliger Arten. Das ist nicht persönlich gemeint, aber das, was ich gerade über Ratten gesagt habe, gilt nun einmal genauso für Kaninchen, Meerschweinchen und ja, auch für Wellensittiche. "Sprechen" bei Wellensittichen ist z.B. eine Verhaltensstörung, die auftritt, weil die Tiere niemanden haben, mit dem sie ihr Sozialleben praktizieren können. Alle diese Tierarten sind Rudel- bzw. Schwarmtiere, und keine sollte in einer kleineren Gruppe als 3 Tiere gehalten werden. Die einzigen Tiere, bei denen Paarhaltung "richtig" ist, sind Wüstenrenner, und die einzigen Tiere, bei denen Einzelhaltung "richtig" ist, sind Hamster. Das ist leider ein Fakt, und der ändert sich nicht, auch wenn er dir nicht gefällt.
Das heißt nicht, dass ich z.B. keine Fehler gemacht hätte in meinem Leben, oder die Leute im mich herum. Mein Vater hatte früher einen einzelnen Wellensittich. Eine Studienkollegin ein einzelnes Meerschweinchen. Ich selbst habe früher Degus (paarweise) gehalten, und auch wenn ich mich nach bestem Wissen um sie gekümmert habe, waren es eben doch immer nur zwei. Einfach, weil ich es nicht besser wusste und es mir niemand gesagt hat. Heute ist das anders, und ich würde diesen Fehler nicht wieder machen. Darüber hinaus halte ich meine Ratten tatsächlich vor allem, weil sie es bei mir besser haben als im Tierheim, denn da kommen sie her. Auch hier dieser Unterschied: ich habe überlegt, was für die Ratten damals im Tierheim (und bei der Gruppe davor bei der Notfallvermittlerin) besser war und ob ich ihnen zumindest ansatzweise gerecht werden kann, und sie erst dann aufgenommen. Und ja, ich hatte zwischendurch Zweifel, und hatte deshalb auch fast ein Jahr keine Ratten bei mir. Weil Tiere eben keine Spielzeuge sind, die man einfach umtauscht, wenn sie "kaputt" sind.
Heimtiere sind fühlende, lebendige Wesen, die dem Menschen schutzlos ausgeliefert sind. Sie kosten außerdem eine Menge Zeit und auch Geld: Futter, Ausstattung, Tierarztbesuche sind wahrlich nicht billig. Die Futterkosten pro Ratte liegen schon bei rund 40 Euro im Jahr, der Käfig kann leicht mehrere hundert Euro kosten, und für den Tierarzt können pro Tier im Laufe eines Rattenlebens mehrere hundert Euro dazu kommen. Hinzu kommt die kurze Lebenszeit: Todesfälle sind etwas, mit dem man rechnen muss, eine 3jährige Ratte ist ein echter Methusalem. Das alles sollte man vorher bedenken, nicht wenn es zu spät ist.