Hallo,
den Thread hier setze ich ins Allgemeine, weil es immer mal wieder was gibt aus den verschiedensten Bereichen, das mich zum Thema interessiert und zu dem ich gerne mit euch diskutieren würde.
Im Vorfeld möchte ich sagen: Wildis hält man nie aus Lust und Laune - die Haltung von Wildtieren ist in unserem Lande gesetzlich eigentlich nicht erlaubt, was auch gut so ist.
Dennoch gibts immer mal wieder in den Tierheimen Wildis aus Handaufzucht, die ein Plätzle brauchen. Naja, und dafür habe ich nun ein Faible. Ich gebe zu: ich stehe absolut auf die Wildis, die meist als unvermittelbar gelten und selten ein gutes Plätzle finden.
Aktuell wohnen leider nur noch 4 Wildis aus Handaufzuchten bei mir.
Wildratten unterscheiden sich in Haltung, Aussehen und Verhalten in einigen Punkten von den Farbratten, wie ich in den letzten Jahren bemerken mussten.
Ein paar Beobachtungen ...
Entwicklung:
Alle meine Wildis haben sich langsamer entwickelt als die Farbis. Sie sind viel länger klein geblieben, aber letztendlich genauso groß wie die Farbis geworden.
Zähmung
Wildis sind grundsätzlich scheuer als Farbis und somit schwieriger zu zähmen. Meine sind alle lieb und zahm geworden, allerdings: festhalten lassen sich nur die wenigsten gerne, da ist der Fluchtinstinkt höher. Den Rechtslinks kann ich rumtragen wie die Farbis auch, aber die meisten lassen sich kraulen und schmusen, aber eben nur ungerne hochnehmen. Fremde Umgebungen mögen sie gar nicht - Tierarztbesuche sind ein Graus und Untersuchungen oft nur in Kurznarkose möglich.
Krankheiten
Leider haben von meinem letzten Wildisrudel auch einige Tumore bekommen - nicht weniger als Farbis also. Sie haben sich auch eher als anfälliger für Atemwegsinfekte erwiesen, was ich darauf zurückführe, dass sie wohl manche Haustierhaltungserreger weniger "kennen" als die Farbis (Mycos z.B.) und dagegen entwicklungsgeschichtlich weniger Abwehrkräfte entwickelt haben. Kommt mir manchmal vor wie bei den Inuit und den Indianern, die reihenweise starben, als die Weißen ins Spiel kamen.
Nagetrieb
Den Nagetrieb empfinde ich als viel viel ausgeprägter als den bei Farbratten. Eigenbauten aus Holz halte ich deshalb für Wildis als nicht geeignet.
Fell
Das Fell fühlt sich irgendwie anders an: etwas rauer und das Unterfell finde ich viel dichter als bei den Farbis
Machtkämpfe bei Böcken
Das hat mich erstaunt: ich musste noch nie einen Wildratz kastrieren lassen, weil die Hormone durchgedreht sind. Sie kämpfen im "Bockalter" wie blöde miteinander, um die Rangfolgen zu klären --- aber es gab noch nie irgendwelche Verletzungen!
Mir fällt sicher noch mehr mit der Zeit ein Alle meine Wildis sind mit Farbratten integriert worden im Babyalter und leben in Farbrattenrudeln.
Zur Zeit frage ich mich, ob es wohl möglich ist, auch erwachsene Wildige noch mit anderen Ratten zu integrieren. Mir wurde da stets davon abgeraten - allerdings habe ich zu vielen Punkten, was das Thema angeht, völlig andere Erfahrungen gemacht als das, was ich gehört hatte.
Es würde mich also freuen, wenn es hier auch User gäbe, die auch schon mal das "Glück" hatten, Wildis zu halten und sich mit mir austauschen könnten!
Und zuletzt: das hier sind nun also der Rechtslinks und der Jacques. Beide stammen aus einer Handaufzucht aus Nürnberg und sind mittlerweilen 2 Jahre alt. Jacques hat einen Schiefkopf aus einer ZNS-Problematik zurückbehalten. Rechtslinks hat einen chronischen Atmewegsinfekt, der medikamentös eingestellt ist und mit dem er soweit gut zurecht kommt. Er wurde aber auch schon zweimal an bösartigen Tumoren operiert. Beide sind übrigens Wanderratten ![]()
*Fotos leider nicht mehr beim Bilderhoster verfügbar*