Hai ihr ![]()
Habe jetzt nun diesen Thread auch endlich einmal komplett gelesen...
Mache mir schon, seit er eröffnet wurde viele Gedanken zum Thema. Ich bin nun (erst) seit zwei Jahren bei den Rattenfreunden Nürnberg, die wenn man es genau nimmt nur aus meiner Partnerin aus Erlangen und mir bestehen.
Wir beide haben eigentlich so gut wie immer Pflegenasen bei uns Zuhause. Angefangen hat das, als ich mich stärker für die Rattenfreunde eingesetzt habe.
Allgemeine Überlegungen zur Rattenhaltung
Ich habe in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass fast jede_ Rattenhalter_in, welche länger bei der Sache bleibt mit der Zeit mehr Tiere anschafft. Kaum jemand bleibt über viele Rattengenerationen hinweg bei drei - vier Tieren. Ich denke, durchschnittlich ist eine Rudelgröße von sechs - acht Tieren (bei Langzeithalter_innen) normal. Das ergibt sich schon aufgrund der nötigen Integrationen spätestens alle zwei Jahre. Als Rattenhalter_in ist es irgendwann vollkommen normal zeitweise zwei Käfige in der Wohnung stehen zu haben (eben, wenn eine Integration nötig ist). Außerdem lernt man als aktive Rattenhalter_in viel über die Gesundheit der Tiere und kennt sich bald auch mit den gängigen Krankheitsbildern usw. aus. Ich persönlich spare mir so einige Tierarztkosten, weil ich meiner Tierärztin schon immer ganz gute Tipps geben kann, was fehlt. Durchschnittlich zahle ich pro Tierarztgang unter zwanzig Euro. Teuer wird es nur bei Operationsgeschichten. Auch wenn Operationen bei Ratten keine Seltenheit sind, sind sie auch nicht die Regel.
Übergang zur Pflegestelle
Denke ich über meine Arbeitspraxis in den letzten Jahren nach, muss ich leider an viele Ratten denken, denen eine Pflegestelle gut getan hätte. In den wenigsten Fällen ging es dabei um gesundheitlich angeschlagene Tiere. Die wirklich kranken Nasen hätte ich auch erlich gesagt nicht aus meiner Obhut gegeben. Übrig bleiben vor allem Jungratten, welche an die Hand gewöhnt werden sollten und Einzelratten, die zu einem neuen Rudel integriert gehören. In beiden Fällen ist kein großer finanzieller Aufwand von Nöten. Natürlich kann auch bei jungen Ratten jederzeit ein Tumor/Abzess oder Ähnliches auftreten und ein gewisster Notgroschen sollte immer in der Tasche sein, aber würde ich ständig damit rechnen, dass alle meine Ratten gleichzeitig krank werden könnten, bestünde mein Rudel aus drei Nasen. Bezieht man die Überlegungen von weiter oben mit ein, bedeutet ein Pflegerattenrude aus drei Tieren nicht mehr Aufwand, als der, den man während einer Integration betreibt. Auch kostentechnisch bewegen wir uns pro Pflegeratte und Monat bei ca. 20 Euro (wobei hier schon ein Notgroschen für den Tierarzt eingerechnet ist). Natürlich ist das Geld und nicht jeder kann es so leicht berappen, aber wenn ich mir ansehe, was wir Menschen im Monat so alles kaufen, sind 60 Euro für drei Tiere wirklich nicht viel. Ein zweiter Käfig ist meist eh schon vorhanden (Integration), oder kann (zumindest bei uns Rattenfreunden) ausgeliehen werden. Falls ein Pflegetiert einer externen Pflegestelle wirklich schwer krank sein sollte und hohe Tierarztkosten hat, würde ich auch immer versuchen finanziell zu unterstützen und zumindest einen Teil der Kosten übernehmen.
Für mich war es damals selbstverständlich Pflegestelle zu sein als ich das erste mal darauf angesprochen wurde. Von Anfang an habe ich so gut wie alle Pflegetiere auch weiter vermittelt. Das fiel mir persönlich auch nie schwer, weil so wieder Platz für neue Näschen geschaffen wurde und ich mich immer gründlich davon überzeugt habe, dass es meinen Pflegis im neuen Heim gut geht.
"Pflegestellen" der Rattenfreunde
Wir besitzen im Moment lächerliche drei Pflegestellen. Zwei davon sind meine Partnerin aus Erlangen und ich. Das heißt im Klartext, dass wir drei Rattenrudel zur Pflege aufnehmen können. Das ist nicht viel und deckt nicht einmal ansatzweise den Bedarf den wir hätten.
Spenden gibt es auch so gut wie gar keine, obwohl wir versuchen präsent auf Tierheimfesten usw. aufzutreten. Der Eckeltierstatus macht uns da ganz schön zu schaffen, wenn man unsere Arbeit mit der von vergleichbaren Kaninchennotfallvermittlungen usw. vergleicht. Wenn Menschen hören, dass wir so gut wie alles aus eigener Kasse finanzieren hört man leicht ein: "Da muss man doch was tun! Da müssen Spenden her!". Passieren tut nie was. Einige Male habe ich schon erlebt, wie Neurattenhalter_innen mit richtig viel Elan plötzlich unser ganzes System umwerfen wollten. "Da muss ein Verein her!", "Gemeinnützigkeit ist wichtig!", "Ihr macht zu wenig Werbung!" usw. Wenn aber genau diese Leute merken, wie zeitaufwändig die Arbeit ist, sind sie ganz schnell wieder weg und die langweiligen Aufgaben, die kein Prestige einbringen, wie zb. Pflegestelle sein, oder im Tierheim nach den Ratten sehen, möchte keiner machen. Das ist leider ein schöner Spiegel unserer Gesellschaft. Jeder redet und wirklich machen tut keiner etwas. Auch hier fehlt meiner Meinung nach die Konstante: Also Menschen, die bereit sind dazu zu lernen und nicht das gesamte System umkrempeln wollen, ohne es zu kennen. Menschen, die klein anfangen wollen und bereit sind, sich unterstützen zu lassen. Menschen, die wissen, wo ihre eigene Grenze liegt und diese weder unter- noch überschreiten. Es gibt für fast jede_n Interessierte_n die richtige Aufgabe im Tierschutz. Würde sich zum Beispiel eine Person bereit erklären, Tierarztgänge o. Ä. für Pflegeratten zu übernehmen, könnte evtl. eine beruflich stark eingebundene Person eine Pflegestelle übernehmen. Eine dritte Person hat vielleicht keine Lust auf ein Pflegerattenrudel und übernimmt dafür die Futterkosten, oder Ähnliches. Leider musste ich die Erfahrung machen, dass Leute im Tierschutz häufig wenig konstant sind und der Aufbau solcher Netzwerke oft garnicht erst Zustande kommt.
Sooo, jetzt habe ich sehr viel geschrieben und meine Überlegungen sind eher philosophisch als praxisbezogen...
Ich hoffe, sie interessieren trotzdem jemanden ![]()
liebe Grüße
Noelana