"Puppy Blues" bei neuen Ratten

  • Hi zusammen,


    ich habe mal eine Frage, die nicht direkt etwas mit den praktischen Aspekten der Rattenhaltung zu tun hat, sondern eher mit den emotionalen.


    Nach wirklich jahrelanger Recherche und Überlegung war es letzte Woche endlich so weit und ich konnte mein erstes Rudel adoptieren. Die ersten Tage war ich wie frisch verliebt und wollte am liebsten 24/7 vorm Käfig kleben. Mittlerweile stellt sich jedoch ein Gefühl ein, was ich eher von Hundehaltenden als "Puppy Blues" kenne, also eine Art emotionales Down kurz nach der Adoption eines neuen Welpen.


    Es ist weder so, dass mich das Rudel selbst enttäuscht, die Mädels sind ein absolutes Träumchen (klar machen sie manchmal Blödsinn, aber alles im Rahmen). Noch überlastet mich die praktische Arbeit wie das Saubermachen und Füttern. Ich merke eher, wie sich Zweifel bei mir einstellen, ob die Entscheidung zur Rattenhaltung richtig war, ob ich den Anforderungen gerecht werden kann oder ob ich mich eigentlich wirklich über die Tiere freue. Auch träume ich jede Nacht fast ununterbrochen davon, wie den Tieren irgendwas passiert, der Käfig an einer völlig ungeeigneten Stelle steht usw. Ich fühle mich außerdem stark eingeengt durch das Gefühl, dass sich mein kompletter Alltag jetzt verändert und ich weniger Freiheiten habe als vorher - obwohl ich vorher genau wusste, dass das so sein wird, und die Zeit mit den Ratten ja eher eine Bereicherung sein soll und keine Belastung.


    Man muss dazu sagen, dass ich generell oft mit Ängsten und Zweifeln kämpfe und noch dazu diese Woche auch körperlich krank geworden bin. Ich vermute also stark, dass dahinter keine wirkliche Reue steckt und eher so etwas Ähnliches wie der Puppy Blues. Ich erwäge auch auf keinen Fall, die Ratten wieder zurückzugeben. Mich würde aber interessieren, wie es euch in den ersten Wochen der Rattenhaltung so ging und ob ihr vielleicht ähnliche Gefühle hattet. Ich konnte nämlich durch Googlen nicht wirklich viel dazu finden und fühle mich gerade wie ein ziemlicher Rabenvater, was die Kleinen angeht.


    Danke euch vorab für euren Input!

  • Heyhey,


    ich habe meine 4 Jungs jetzt seit etwa 2 1/2 Monaten, nachdem ich seit ich 10 Jahre durch Studium, Umzüge etc eine nur halb freiwillige Rattenpause einlegen musste. Habe mir das auch monatelang überlegt, bin dann die letzten zwei Wochen bis ich sie endlich abholen konnte fast verrückt geworden vor Vorfreude. Endlich wieder Ratten.
    Und als sie dann da waren war erstmal alles super. Aber ging nicht lange, bis erste Zweifel an meiner Haltung bei mir selbst kamen. "Die Ratten sind erst zwei Tage da und noch so aufgeregt, dass ich mir Sorgen mache, sie in den Auslauf zu lassen. Aber wird denen nicht langweilig? Unterfordere ich die?" "Oh verdammt, ich hab ein zu lautes Geräusch gemacht. Die sind alle erschrocken. Wahrscheinlich hassen die mich jetzt, weil ich so eine schlechte Halterin bin!"
    Und zusätzlich haben die vier anfangs aus Aufregung ihren Käfig komplett übermarkiert und ehrlich gesagt wortwörtlich gestunken wie Bock haha. Dann überall das Kloeinstreu. War es vielleicht doch eine falsche Entscheidung? Für die Ratten? Für mich?
    Eigentlich wünsch ich mir doch seit Jahren wieder Ratten? Was ist denn los?
    Habe das dann einer Freundin geschildert. Auch, dass ich die Ratten auf keinen Fall wieder weggeben würde, aber dass ich auch keine Ahnung habe, was mit mir los ist und warum ich nur Angst habe, alles falsch zu machen, alles falsch gemacht zu haben usw. Diese Freundin hat einen Hund und hat mir dann ebenfalls das Prinzip des Puppy Blues erklärt. Und ehrlich gesagt glaube ich, wenn einem klar ist, dass man die Verantwortung für ein paar Lebewesen übernommen hat, deren Leben auf einmal von einem abhängt ist das eine ziemlich normale Reaktion. Man fühlt sich überfordert und hat dauernd Angst etwas falsch zu machen. Ist ein sch*** Gefühl.
    ABER sobald sich das eingependelt hat, ihr euch aneinander gewöhnt und das ganze einfach zur Normalität wird, hören diese Gefühle auf und man hat keine Angst mehr, dass durch einen Käfig der 5cm weiter links steht auf einmal das ganze Rudel eingeht. (Und ich mache mich hier nicht über dich lustig, ich war wirklich genauso haha) Glaub mir, geht nicht mehr lange, dann gehören deine Mädels zur Familie und du freust dich jeden Tag auf sie. Das 'einengen' ist nur ungewohnt und auch nicht so schlimm, wie du es dir jetzt ausmalst, sobald du dich darin eingerichtet hast. Wenn sie dir auf die Nerven gehen ist das eher so, wie wenn der kleine Bruder nervt. Man seufzt kurz, aber man hat sie trotzdem lieb und Ängste kommen auch keine mehr. Ist einfach alles gewöhnungssache und wird schneller besser als Puppy Blues denke ich. (Ratten sind eine Aufgabe, aber an einen Hund kommen sie eben doch nicht ganz ran vom Aufwand) Ich meine hey, du hast ein paar Fremde in deine Wohnung einziehen lassen. Selbst wenn es Ratten sind, man muss sich an gegenseitige Eigenheiten eben gewöhnen :) Und die kleinen sind Zäher als sie aussehen... Ein paar Unsicherheitsfehler am Anfang werden sie dir verzeihen :)

    Wow, ich hab dir einen Roman geschriebe. Entschuldige haha... Wünsche dir trotzdem ganz viel Spaß mit deinen Mädels und du bist nicht allein mit diesen Gefühlen, aber die gehen bald wieder weg :)

    Liebe Grüße,
    Kaddi Mit Vincent, Oscar, Fritzi und Hamlet
    Schon vorrausgegangen <3 : Dusty, Fifi, Emily, Gloria, Snape, Jacky, Marylin, Wusel, Lindi

  • Hallo,


    ich kann mich dem nur anschließen.

    Wir hatten nach über 23 Jahren keine Ratten und 20 Jahren Katzen anstelle der Ratten auch erst mit jeder Menge Unsicherheiten zu kämpfen. Zum einen hatte sich bei der Rattenhaltung extrem viel getan gehabt, zum anderen hatte ich einiges über die Haltung auch vergessen. Drei Jahre hatten wir gar keine Tiere und es war schon eine Umstellung, ob es nun die Geräusche waren, die tägliche Umsorgung der Schnuffel und auch Angst, etwas falsch zu machen. Aber nach einiger Zeit der Eingewöhnung - nicht nur die Ratten mußten sich an uns gewöhnen, auch wir mußten uns ja an die Ratten gewöhnen - legte sich diese Unsicherheit wieder. Gänzlich weg ist sie nicht. Grade bei Krankheiten und ungewöhnlichem Verhalten kommt es immer wieder vor, dass ich an mir zweifel und ich mich frage, ob ich nun etwas falsch gemacht habe oder ob es normal ist. Viele dieser Zweifel wurden mir hier im Forum genommen und ich bin sehr dankbar dafür. Früher gab es sowas nicht und man stand oftmals gänzlich alleine mit Problemen. Selbst die Tierärzte behandelten vor 24 Jahren nur sehr selten Ratten.


    Was ich damit sagen will ist, dass es ganz normal ist Angst zu haben etwas falsch zu machen. Die Angst und die Zweifel vergehen aber mit der Zeit, da man ja auch jeden Tag neue Erfahrungen macht und mit jeder Erfahrung, ob nun gute wie auch schlechte lernt man dazu.


    Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass sich die Ängste und Unsicherheiten schnell legen werden und Du ganz unbeschwerte Zeiten mit Deinen Schnuffeln haben kannst.


    Liebe Grüße
    Stevie

  • Ich kann mich ebenfalls anschließen. Am Anfang war die Verunsicherung groß, aber sobald ich meine Routinen im Griff hatte, war alles in Ordnung. Das wird schon!

    Meine Bunkerinos: Jin, Noah, BJ, Thom und Vince. Über die Regenbogenbrücke gegangen, aber unvergessen: Adam, Garrett, Joel, Corvo, Karl, Ryu, Daud, Arborn, Solas und Takkar.

  • Vielen Dank euch für eure Antworten. In manchen Dingen konnte ich mich wirklich gut wiederfinden (z.B. der Anfangsgeruch... unsere Pflegestelle hat uns schon vorgewarnt, dass die ersten 2 Wochen stinkig werden; der einzige Vorteil daran, dass ich mir Covid eingefangen habe und jetzt nichts rieche 😅). Nach einer Mütze Schlaf nach dem ersten Käfig-Großputz gestern bin ich auch etwas entspannter. Aber ich denke, wenn die Routine erstmal da ist, wird es nur noch besser :)

  • Hey,


    ich hatte das Gefühl bei den Ratten nicht.


    Allerdings kenne ich das Beschriebene von etwas anderem... meinem Baby. Auch, wenn es ein totales Tabu-Thema ist (was es nicht sein sollte) hatte ich 2 Wochen Depressionen und Zweifel. Nennt sich Baby Blues. Ich kann nur sagen wie es bei mir war.. Alles pendelte sich ein, die Sorgen und Schwierigkeiten verschwanden und nach kürzester Zeit war da nichts als pure Freude, Liebe und Glück.


    Natürlich könnte man jetzt sagen,dass ein Baby nicht mit Haustieren vergleichbar ist, aber ich denke schon, dass die psychischen Auswirkungen ähnlich sein können.


    Dementsprechend danke ich dir, dass du dieses Thema hier ansprichst. Denn wie man hier sieht haben einige dasselbe Empfinden gehabt, genauso wie der Baby Blues häufiger vorkommt als man denkt (Studien sagen, dass rund 75% der Mütter betroffen sind), aber es spricht natürlich keiner darüber.


    VG

    ~ Ano

    Nicht verloren, nur vorausgegangen

    Rosa Ratte, Marlo, Quinn, Eric, Cosinus, Tangens, Sinus, Elektron, Neutron, Proton, Watt, Volt, Ohm, Lumen


    Nicht vorausgegangen, nur weitergezogen

    Candela, Ampere

  • Hallöchen,


    Seit meiner kurzen Pause hatte ich das von dir beschrieben Gefühl auch mal.


    Nicht direkt am Anfang oder kurz danach, sondern mittendrin. Wenn man so gar niemanden findet, auf den man sich für Urlaubsbetreuung verlassen kann, dann ist das schon ganz schön belastend. Alles wirkt irgendwie anstrengender, man muss sich motivieren… als würde man durch Schlamm gehen.


    Auch heute finde ich es scheußlich, wie manche Leute sich als Pfleger rausgestellt haben und frage mich, ob wir jemals wieder längere Zeit in den Urlaub fahren können.

    Das belastet mich, weil ich gerne beides hätte aber mir immer Sorgen machen muss!


    Nichtsdestotrotz, sei Ratz noch so bissig, zickig, zerstörerisch, eigen … sie zaubern mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht und für nichts würde ich das hergeben. Sie sind für mich da und spenden mir Trost, wenn ich mal nicht schlafen kann.


    Ich wünsche dir von Herzen alles Gute.


    Ann-Ka

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